10/04/2022/Köln/SPARK-Kölner Festival für aktuelles Musiktheater
Musiktheater für Sopran, Mezzosopran, Bariton, drei Celli, Klavier und vier Schlagzeuger
Hellhörig – in der Umgangssprache ist der Begriff zwiespältig besetzt. Er deutet einerseits Geräuschdurchlässigkeit an, lässt unfreiwillige Mitteilung oder Zeugenschaft befürchten. Andererseits bezeichnet er einen Zustand gesteigerter Aufmerksamkeit. Mit beiden Bedeutungen spielt Carola Bauckholt in ihrer Oper. Ihre Musik ist „geräuschdurchlässig“. Geräusche spielen in ihr sogar die Hauptrolle. hellhörig nannte sie „ein Theater der Geräusche“. Die akustischen Ereignisse, die den traditionell guten Ton weit überschreiten, geben diesem Werk nicht nur das Material, sondern übernehmen Funktionen und Bedeutungen, die im herkömmlichen Theater den „dramatis personae“ zukamen. Und Carola Bauckholt zielt mit dieser Produktion wie mit allen ihren Werken auf eine Sensibilisierung, eine Schärfung der Wahrnehmung, auf eine Haltung gesteigerter Aufmerksamkeit, die vom Hören ausgeht.
Für hellhörig gibt es keinen Text, kein Libretto. Das Stück kommt ganz ohne Worte aus – und ist doch konzentrierte Ausdruckskunst. Räume und Situationen werden durch ihren Klang beschrieben, werden unter die Hör-Lupe genommen, abgetastet, befühlt und verändert. Die Musik zieht das, was im Alltag allgegenwärtig nahe ist, aus dem Schein des Selbstverständlichen heraus, versetzt es in neue Konstellationen und rückt es in den Brennpunkt konzentrierter Wahrnehmung. „Das Geräusch selbst ist der Gegenstand der Oper. Geräusche sprechen und erzählen von sich aus“. (Carola Bauckholt) Gewohntes, vorgefundenes akustisches Material wird in gestaltetes verwandelt, wird aus seinem ursprünglichen Bedeutungsfeld gelöst und in neue Kraftfelder versetzt. …
mit Johanna Vargas - Sopran, Truike van der Poel - Mezzo-sopran, Matthias Horn - Bariton
Leitung. Friedericke Scheunchen